Es sollte ein harmloses Foto sein: der Chronograph ans Reling gepresst, Abendlicht über der Bucht von Portals Nous. Dann ein Griff zu viel – und die Uhr fiel drei Meter tief ins Mittelmeer. Dies ist das vollständige Protokoll eines Unfalls, der am Ende keiner war.
Der Moment
Wer schon einmal eine Uhr ins Wasser verloren hat, kennt diesen lautlosen Moment, in dem die Zeit selbst stehen bleibt. Unser Testmodell – ein Automatikchronograph mit verschraubter Krone und der Angabe WR 10 bar – verschwand gegen 14:32 Uhr zwischen zwei Rümpfen im 24 Grad warmen Wasser. Ein Tauchgang mit Schnorchel brachte sie vier Minuten später zurück an Deck.
Die erste Frage war nicht „läuft sie noch?“, sondern: Was sagt eigentlich das Datenblatt? Denn die Angabe „wasserdicht“ ist eine der am häufigsten missverstandenen Zeilen auf jedem Uhrblatt.
Was das Datenblatt wirklich verspricht
Die Bar-Angabe beschreibt einen statischen Prüfdruck im Labor, keine reale Nutzung mit Bewegungen, Temperatursprüngen und Salz. Für den Alltag gilt deshalb eine einfache Übersetzung – und genau die hat unsere Uhr im Meer gerettet.
Das Protokoll der ersten 72 Stunden
Statt die Uhr zu öffnen, haben wir sie beobachtet – wie nach jedem Wasserkontakt empfohlen: äußerlich reinigen, trocknen lassen, Gangwerte und Beschlag prüfen. Das Protokoll dazu führen wir bei jedem Prüftisch-Fall in Augsburg genauso.
| Zeitpunkt | Beobachtung |
|---|---|
| 14:36 Uhr, Tag 0 | Bergung. Gehäuse sofort mit klarem Wasser abgespült, Salzreste am Band entfernt, Krone in verschraubter Position belassen. |
| Abend, Tag 0 | Uhr läuft hörbar weiter. Kein Beschlag unter dem Saphirglas, Lünette ohne fühlbares Spiel. |
| Tag 1 | Gangabweichung bei +6 s/Tag – innerhalb der normalen Toleranz eines Automatikwerks nach einem Stoß. |
| Tag 2 | Kondensationstest auf kalter Fliese: kein Niederschlag im Glasinneren. Dichtungen halten. |
| Tag 3 | Werte stabil. Empfehlung: bei nächster Gelegenheit Dichtungen prüfen lassen, danach uneingeschränkt tragbar. |
Wasserdichtigkeit ist keine Eigenschaft für die Ewigkeit – sie ist ein Wartungszustand.
Was blieb – und was wir gelernt haben
Die Uhr läuft bis heute unauffällig. Geblieben ist vor allem eine Liste von Regeln, die wir seitdem jeder Beratung beilegen – und die nach einem Salzwasserkontakt den Unterschied zwischen Patina und Totalschaden ausmachen.